Machen den Unterschied
Soft-Skills
Die Fähigkeit, persönliche Ressourcen im beruflichen Alltag optimal zu managen, die so genannte Selbstkompetenz, gewinnt um so höhere Bedeutung, je schneller die Aktualität reinen Fachwissens veraltet. Diese Kompetenz nämlich stellt die Grundlage dar, neue Anforderungen und Abläufe erfolgreich in die eigene Arbeitsroutine zu integrieren. Prof. Dr. Peter Wellhöfer, Dozent an der FH-Nürnberg und Autor eines Arbeitshandbuchs über Schlüsselqualifikationen, sieht denn auch seit den 90er Jahren einen starken Bedeutungsgewinn der Selbstkompetenz im beruflichen Kontext.
Aber was soll das sein - Selbstkompetenz? Wellhöfer beschreibt sie als die individuellen Fähigkeiten und Fertigkeiten eines Menschen, die sich im Laufe der persönlichen Entwicklung ausdifferenzieren und, im genetisch gegebenen Rahmen, auch weiterentwickeln lassen. "Man kann nie früh genug anfangen und man sollte nie aufhören, an der eigenen Kompetenz zu arbeiten", sagt Frauke Ion, Managing Director bei FranklinCovey GSA in Wiesbaden. "Kompetenz ist eine Zusammensetzung von Charakter und Knowhow. Beides nimmt zu im Laufe der Zeit." Und beides ist trainierbar. Auf dem steinigen Weg der Berufs- und Führungserfahrung ist es zum Beispiel sinnvoll, regelmäßig Seminare und Schulungen mit dem Schwerpunkt Führungskompetenzen zu besuchen, um die gemachten Erfahrungen effektiver in das eigene berufliche Handeln zu integrieren.
"Man kann nie früh genug anfangen und man sollte nie aufhören, an der eigenen Kompetenz zu arbeiten"
Selbstkompetenz kann als Palette an Fähigkeiten aus fünf Bereichen beschrieben werden: Stressbewältigung, Zeitmanagement, Menschenkenntnis, Kreativität und Kommunikation. Diese Kernkompetenzen schätzt Frauke Ion als genauso wichtig für den Berufseinstieg ein, wie die klassischen Kriterien: Top-Noten, einschlägige Vorerfahrungen, Auslandsaufenthalt, sowie Sprach- und Computerkenntnisse. Die fünf Kernkompetenzen des Selbstmanagement repräsentieren jeweils einen grundlegenden Bereich der Persönlichkeit. Bei genauerer Betrachtung dieser Bereiche wird einerseits deutlich, wie tief jeder davon in uns verankert ist, andererseits erschließt sich dabei auch das Zusammenspiel der verschiedenen Faktoren.
Für eine erfolgreiche Stressbewältigung beispielsweise ist laut Frauke Ion ein ausgeglichener Lebensstil notwendig, in dem sich Privates und Berufliches die Balance halten. Dabei sollten regelmäßig die eigenen Werte, Kompetenzen, Möglichkeiten und Grenzen überprüft werden. Außerdem sind Engagement, richtige Prioritäten und der Fokus auf das Wesentliche notwendig - drei Faktoren, die auch für das erfolgreiche Zeitmanagement zentral sind, für das man außerdem ein gutes Zeitplansystem diszipliniert führen sollte. In einer stressarmen Arbeitsumgebung ohne übermäßigen zeitlichen Druck kann sich auch die eigene Kreativität effektiver entfalten. Weil sich innovatives Potenzial in einer konstruktiven Gemeinschaft verstärkt, lohnt es sich schon allein deshalb, ein Gefühl für seine Mitmenschen zu entwickeln, einen "guten Draht" zu ihnen aufzubauen. "Menschen, die gut kommunizieren, sind offen", beschreibt Frauke Ion, "verfügen über Integrität und Einfühlungsvermögen und können vor allem auch gut zuhören." Und sich gut verständlich machen: Da Kommunikation in zwei Richtungen funktioniert, kommt es darauf an, klar und deutlich zu sein und auch zu überprüfen, ob das Gesagte beim Gegenüber angekommen ist. Genau daran scheitern viele Führungskräfte, und mehr noch: Der renommierte deutsche Philosoph Jürgen Habermas sieht in fehlerhafter Kommunikation sogar die Hauptursache der meisten zwischenmenschlichen Konflikte.
Erkenntnisse in der eigenen Persönlichkeitsstruktur verankern
Es zahlt sich also aus, dem eigenen Entwicklungsprozess kontinuierlich Aufmerksamkeit und Energie zukommen zu lassen. Bewährt hat sich dabei eine Mischung aus Seminaren und Trainings in regelmäßigen Abständen, und persönliches Engagement im sozialen und oder beruflichen Umfeld. Zusätzliches Coaching eignet sich hervorragend, um die aus Theorie und Praxis gewonnenen Erkenntnisse effektiv in der eigenen Persönlichkeitsstruktur zu verankern und sein eigenes Leben befriedigender zu gestalten. Das Projekt "Arbeit am eigenen Charakter" ist ein lebenslanges Abenteuer, und es lohnt sich: Denn was könnte erfüllender sein als Anerkennung durch persönlichen Fortschritt und Erfolg - nicht nur im Beruf.
Linktipp:
www.franklincovey.de
Literaturtipp:
Peter R. Wellhöfer: Schlüsselqualifikation Sozialkompetenz. Lucius & Lucius Verlagsgesellschaft Stuttgart, 2004. 251 Seiten, broschiert. ISBN: 3-8252-2516-X. 15,90 Euro
Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:
Kurz und prägnant
So muss ein Anschreiben sein
Kurz und prägnant muss ein Anschreiben sein. Endlose Ausführungen über jede einzelne Tätigkeit will kein Personaler lesen. Präzise Formulierungen und Sie haben erste Pluspunkte auf Ihrer Seite. Personaler haben keine Zeit für Absolventenpoesie. Kommen Sie also gleich zum Wesentlichen. Zählen Sie im Lebenslauf Fakten ihrer Karriere auf und verzichten Sie im Anschreiben auf einleitende Floskeln. Wer kurz, knapp und präzise formuliert, zeigt, dass er weiß, worauf es ankommt. mehr...
Präsentationen, Fallstudien und Postkorbübungen
Assessment Center: Wie Sie sich richtig vorbereiten
Das Internet hat sich in den Personalabteilungen etabliert, eRecruiting und Online-Tests sind nicht mehr wegzudenken - und trotzdem: Das "gute alte" Assessment Center findet nach wie vor Anwendung. Denn Unternehmen wollen ihre Bewerber sehen und in Aktion erleben. So bereiten Sie sich auf das AC vor. mehr...
Was steckt dahinter?
Fragen im Bewerbungsgespräch - Teil 1
Wo sehen Sie Ihre Stärken und Schwächen? Wie würden Sie sich selbst kurz charakterisieren? In Bewerbungsgesprächen werden immer dieselben Fragen gestellt - und immer wieder dieselben Fehler gemacht. Erfahren Sie, was hinter den Fragen steckt, und wie man sich am besten darauf vorbereitet. mehr...